EZB erhöht Zinsen: Sollten Immobilienkäufer jetzt warten?

EZB erhöht Zinsen: Sollten Immobilienkäufer jetzt warten?

Die Europäische Zentralbank hat am 10. September 2026 die Zinsen erneut angehoben. Für viele Menschen, die derzeit über den Kauf einer Wohnung nachdenken, stellt sich damit eine naheliegende Frage: Jetzt kaufen oder warten?

Soll ich jetzt kaufen – oder besser noch warten, bis die Kreditzinsen wieder sinken?

Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht. Die aktuelle Entwicklung zeigt allerdings deutlich: Wer auf wesentlich günstigere Finanzierungen in naher Zukunft wartet, kann sich darauf nicht verlassen.

Umso wichtiger ist es, beim Immobilienkauf nicht ausschließlich auf den Zinssatz zu schauen.

Was hat die EZB entschieden?

Die Europäische Zentralbank hat den Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,50 % angehoben. Hintergrund ist vor allem der neuerliche Inflationsdruck infolge stark gestiegener Energiepreise.

Für Immobilienkäufer bedeutet eine Erhöhung des EZB-Leitzinses allerdings nicht automatisch, dass Wohnbaukredite im gleichen Ausmaß teurer werden.

Gerade bei längerfristigen Fixzinsfinanzierungen spielen die Erwartungen der Finanzmärkte und die langfristigen Kapitalmarktzinsen eine wesentliche Rolle.

Und auch dort zeigt die Entwicklung derzeit nach oben.

Wo liegen die Wohnbauzinsen in Österreich?

Nach den aktuellsten verfügbaren Daten der Österreichischen Nationalbank lag der durchschnittliche Zinssatz für neue Wohnbaukredite zuletzt bei rund 3,54 %.

Bei Krediten mit einer Zinsbindung von mehr als zehn Jahren waren es durchschnittlich rund 3,59 %.

Damit hat sich eine Erwartung, die noch vor einiger Zeit weit verbreitet war, vorerst nicht erfüllt: dass Immobilienfinanzierungen im Laufe des Jahres 2026 kontinuierlich günstiger werden.

Im Gegenteil – die OeNB stellt fest, dass die Zinsen für Wohnbaukredite in den vergangenen Monaten wieder leicht gestiegen sind.

Was machen 0,25 Prozentpunkte beim Kredit tatsächlich aus?

Ein Viertelprozentpunkt klingt zunächst nicht besonders viel. Bei einer langfristigen Immobilienfinanzierung macht sich der Unterschied dennoch bemerkbar.

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel bei 30 Jahren Laufzeit:

€ 300.000 Kredit
3,50 % Zinsen: ca. € 1.347 monatlich
3,75 % Zinsen: ca. € 1.389 monatlich
Mehrbelastung: ca. € 42 pro Monat

€ 500.000 Kredit
3,50 % Zinsen: ca. € 2.245 monatlich
3,75 % Zinsen: ca. € 2.315 monatlich
Mehrbelastung: ca. € 70 pro Monat

€ 700.000 Kredit
3,50 % Zinsen: ca. € 3.143 monatlich
3,75 % Zinsen: ca. € 3.241 monatlich
Mehrbelastung: ca. € 98 pro Monat

Die Berechnungen sind vereinfachte Beispiele und ersetzen selbstverständlich kein individuelles Finanzierungsangebot einer Bank.

Sie zeigen aber sehr gut, dass nicht nur der Zinssatz für die Kaufentscheidung ausschlaggebend sein sollte.

Kaufpreis oder Zinssatz – was ist wichtiger?

Gerade in der aktuellen Marktphase lohnt sich ein genauer Blick auf den Kaufpreis.

Nehmen wir eine Wohnung mit einem Kaufpreis von € 600.000.

Ein Preisvorteil von 5 % entspricht € 30.000.

Wer beispielsweise 80 % des Kaufpreises finanziert, benötigt bei € 600.000 Kaufpreis einen Kredit von € 480.000. Bei einem um 5 % reduzierten Kaufpreis von € 570.000 sinkt der Finanzierungsbedarf bei gleichem Eigenkapitalanteil entsprechend deutlich.

Ein attraktiver Kaufpreis kann deshalb einen etwas höheren Zinssatz teilweise oder sogar vollständig ausgleichen.

Und hier liegt ein wesentlicher Unterschied:

Der vereinbarte Kaufpreis einer Immobilie steht fest. Die Finanzierung kann sich im Laufe vieler Jahre verändern.

Je nach Kreditvertrag und zukünftiger Zinsentwicklung kann später möglicherweise umgeschuldet oder neu verhandelt werden. Einen heute nicht genutzten Preisvorteil kann man dagegen nicht nachträglich zurückholen.

Sollten Immobilienkäufer jetzt lieber warten?

Nicht grundsätzlich.

Niemand sollte aufgrund der aktuellen Zinsentwicklung übereilt eine Immobilie kaufen. Ebenso wenig halten wir es aber für sinnvoll, eine passende Immobilie ausschließlich deshalb nicht zu kaufen, weil man darauf hofft, dass Kredite in sechs oder zwölf Monaten deutlich günstiger sein werden.

Denn genau das kann derzeit niemand seriös vorhersagen.

Die EZB hat nach ihrer aktuellen Entscheidung weitere Zinsschritte ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig sind auch die langfristigen Kapitalmarktzinsen gestiegen.

Die Strategie „Ich warte einfach, bis die Zinsen wieder deutlich niedriger sind“ ist damit keineswegs ohne Risiko.

Der aktuelle Immobilienmarkt bietet auch Chancen

Während die Finanzierungskosten höher sind als in der langjährigen Niedrigzinsphase, bietet der derzeitige Immobilienmarkt Käufern in anderer Hinsicht interessante Möglichkeiten.

Das Angebot ist in vielen Segmenten größer. Bei Neubauprojekten gibt es teilweise attraktive Preisgestaltungen, Aktionen oder Verhandlungsmöglichkeiten.

Das kann für Käufer eine interessante Konstellation ergeben.

Denn sollte sich die Nachfrage nach Wohneigentum wieder deutlich verstärken, können sich auch Kaufpreise und Verhandlungsspielräume verändern.

Auf den perfekten Zinssatz zu warten, kann daher unter Umständen teurer sein, als heute die richtige Immobilie zu einem guten Preis zu kaufen.

Worauf Immobilienkäufer jetzt achten sollten

Entscheidend ist immer die Gesamtrechnung:

Wie hoch ist der tatsächliche Kaufpreis? Wie viel Eigenkapital steht zur Verfügung? Welche monatliche Kreditrate ist langfristig gut tragbar? Gibt es beim Kaufpreis Verhandlungsspielraum oder eine aktuelle Aktion? Wie ist die Finanzierung gestaltet?

Und vor allem:

Passt die Immobilie hinsichtlich Lage, Grundriss, Qualität und Zukunftsperspektive wirklich zu den eigenen Bedürfnissen?

Eine Immobilie wird schließlich nicht für die nächste EZB-Sitzung gekauft, sondern meist für viele Jahre.

Unser Fazit

Die neuerliche Zinserhöhung der EZB ist für Immobilienkäufer keine erfreuliche Nachricht. Sie ist aber auch kein Grund, einen geplanten Immobilienkauf grundsätzlich aufzuschieben.

Viel wichtiger ist die individuelle Gesamtrechnung.

Ein guter Kaufpreis kann einen etwas höheren Zinssatz ausgleichen. Und niemand kann heute garantieren, dass Finanzierungen in sechs oder zwölf Monaten günstiger sein werden.

Wer eine passende Immobilie gefunden hat, sollte deshalb nicht versuchen, den perfekten Zeitpunkt am Zinsmarkt zu erwischen, sondern Kaufpreis, Finanzierung und Qualität der Immobilie gemeinsam beurteilen.

Gerne unterstützen wir Sie dabei, eine Immobilie zu finden, die sowohl zu Ihren persönlichen Vorstellungen als auch zu Ihrem Budget passt.

Tom Krauss Immo – Immobilien mit Perspektive.

Häufige Fragen zu Zinsen und Immobilienkauf

Alle wichtigen Fakten zur EZB Entscheidung auf einen Blick

Das hängt weniger vom Kalenderjahr als von der persönlichen Situation und der konkreten Immobilie ab.

Der aktuelle Markt bietet Käufern in manchen Segmenten ein größeres Angebot sowie teilweise Preisaktionen oder Verhandlungsmöglichkeiten. Wer eine passende Immobilie findet und die Finanzierung langfristig gut tragen kann, sollte deshalb nicht ausschließlich auf einen möglicherweise niedrigeren Zinssatz in der Zukunft warten.

Nicht automatisch und auch nicht zwingend im gleichen Ausmaß. Die Konditionen für Immobilienkredite hängen nicht nur vom EZB-Leitzins ab. Bei längerfristigen Fixzinskrediten spielen insbesondere die Entwicklung der Kapitalmarktzinsen, die Refinanzierungskosten der Banken sowie die individuelle Bonität und Eigenkapitalausstattung eine wichtige Rolle.

Die Zinserhöhung der EZB kann allerdings dazu beitragen, dass Finanzierungen vorerst auf einem höheren Niveau bleiben.

Das lässt sich derzeit nicht seriös vorhersagen. Nach der jüngsten Zinserhöhung erwartet die EZB, dass die Inflation auch 2027 mit durchschnittlich 2,5 % noch über ihrem Ziel von 2 % liegen wird. Weitere Zinserhöhungen sind daher nicht ausgeschlossen; die Finanzmärkte rechnen derzeit sogar mit zusätzlichen Zinsschritten.

Ob Wohnbaukredite 2027 wieder günstiger werden, hängt allerdings nicht allein vom EZB-Leitzins ab. Auch die Entwicklung der Kapitalmarktzinsen, Inflation und Refinanzierungskosten der Banken spielen eine wesentliche Rolle.

Wer einen Immobilienkauf plant, sollte seine Entscheidung daher nicht darauf aufbauen, dass Kredite 2027 automatisch wieder günstiger werden. Sinkende Zinsen sind möglich – derzeit aber keineswegs garantiert.

Nicht unbedingt. Ein niedrigerer Zinssatz ist nur ein Teil der Gesamtrechnung. Ebenso wichtig sind Kaufpreis, Eigenkapital, Verhandlungsmöglichkeiten und die langfristige Qualität der Immobilie.

Sinken die Zinsen künftig wieder deutlich, könnte gleichzeitig die Nachfrage nach Immobilien steigen. Dadurch könnten sich Kaufpreise und Verhandlungsspielräume verändern.

Bei einem Kredit von € 500.000 mit 30 Jahren Laufzeit bedeutet ein Zinssatz von 3,75 % gegenüber 3,50 % in einem vereinfachten Rechenbeispiel eine Mehrbelastung von rund € 70 pro Monat.

Bei € 300.000 Kredit sind es rund € 42 und bei € 700.000 rund € 98 monatlich.

Die tatsächliche Kreditrate hängt selbstverständlich von den individuellen Finanzierungskonditionen ab.

Ein Fixzinskredit bietet Planungssicherheit, weil der vereinbarte Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum unverändert bleibt. Ob eine fixe oder variable Verzinsung besser geeignet ist, hängt jedoch von der persönlichen finanziellen Situation, der Risikobereitschaft und den angebotenen Konditionen ab.

Eine individuelle Beratung durch eine Bank oder einen unabhängigen Finanzierungsexperten ist daher empfehlenswert.

Grundsätzlich kann eine spätere Umschuldung oder Neuverhandlung möglich sein. Ob sie wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt unter anderem vom bestehenden Kreditvertrag, möglichen Gebühren und den dann verfügbaren Konditionen ab.

Die Möglichkeit einer späteren Umschuldung sollte deshalb bereits beim Abschluss einer Finanzierung berücksichtigt werden.

Nach den zuletzt verfügbaren Daten der Österreichischen Nationalbank (September 2026) liegen die durchschnittlichen Zinssätze für neu vergebene Wohnbaukredite derzeit bei rund 3,5 %. Die tatsächlichen Konditionen können je nach Bank, Laufzeit, Zinsbindung, Eigenkapital und Bonität deutlich davon abweichen.

Das kann durchaus der Fall sein. Ein Preisnachlass von beispielsweise 5 % entspricht bei einer Immobilie um € 600.000 bereits € 30.000.

Deshalb lohnt es sich, nicht nur Zinssätze zu vergleichen, sondern Kaufpreis und Finanzierung gemeinsam zu betrachten.